Software ist besser als Menschen

Kürzlich feierte der Fachbereich Informatik der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sein zwanzigjähriges Bestehen. Im Rahmen der Feierlichkeiten hielt ein ehemaliger Student eine Rede, der vor zwei Jahren sein Studium beendete und seitdem für Google in Irland arbeitet. Ein von ihm dabei verwendeter Satz lässt aufhorchen: „Software ist besser als Menschen.“

Solche Äußerungen sind in der Öffentlichkeit eher noch unbekannt. Aber es wird Zeit, dass sich die Gesellschaft mit derartigen Glaubensbekenntnisse beschäftigt. Denn es handelt sich keineswegs um eine Einzelmeinung, sondern um eine Philosophie, die mit Macht auf uns zukommt mit dem Ziel, unser Leben vollständig zu verändern.

Was hat es mit dieser Philosophie auf sich?

Zunächst ein Beispiel: Kürzlich wurden auf der „World-Robot-Conference“ in Peking Roboter enthüllt, die eine hohe Menschenähnlichkeit aufweisen. Sie wurden von der chinesischen Universität für Wissenschaft und Technologie entwickelt. Einer der Roboter, genannt Jiajia, kann Gesichter sowie das Geschlecht und das Alter von Menschen erkennen und mit menschlicher Mimik sprechen. Diese Roboter sind nicht nur aktuelle Beispiele für den Einsatz künstlicher Intelligenz. Die Hersteller arbeiten daran, dass sie eines Tages Menschen ersetzen. Die Entwickler verfolgen also das Ziel, dass ihre Roboter den Menschen überflüssig machen. Mittlerweile haben sie einen außerordentlich  beachtlichen Stand erreicht. Und es ist zu erwarten, dass sie ihr Ziel erreichen werden.

Was passiert in dieser Hinsicht im Slicon Valley? Das ultimative Projekt des Valleys heißt Singularität. Hier geht es um die Idee, Menschen in die Cloud hochzuladen und ihnen ein Leben jenseits ihrer sterblichen Hülle zu ermöglichen. Es gibt sogar eine „Singularity University“ in Mountain View, die von Google unterstützt wird. Gründer der Universität ist der Futurologe und Erfinder Ray Kurzweil, der unter anderem den Flachbettscanner und den ersten Synthesizer gebaut hat. Er ist der Chefingenieur des Google-Konzerns und nimmt damit großen Einfluss auf die Entwicklung des Unternehmens und des Internet. Der Autor Christoph Keese schreibt über Kurzweils Ideen in seinem Buch „Silicon Valley – Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt“: „Alle Menschen verschmelzen zu einem Wesen, das keine räumliche Ausdehnung mehr kennt und optisch nicht mehr sichtbar ist. Der Cloud kommt so die Funktion eines Ersatzgottes zu. Sie birgt alles Wissen der Welt in sich, trägt alle Seelen, ist allmächtig, besitzt ein Monopol auf Sinn und Zusammenhang, stellt alle Regeln auf, sieht alles, ahnt alles und richtet alles.“

Sie denken, das sind Gedanken eines Spinners? Ray Kurzweil ist wie gesagt einer der mächtigsten Menschen bei Google. Google ist schon heute der größte Roboterhersteller der Welt. Kurzweils Vision hat sich in weiten Kreisen des Silicon Valley zu einer Art unternehmerischem Leitbild entwickelt. Die Entscheider der größten und mächtigsten Unternehmen aus dem Silicon Valley sowie die Gründer der dortigen Startups folgen also diesen Gedanken. Sie verfügen über Einfluss, Macht und Geld, um diesem Leitbild zur Realität zu verhelfen.

Ein erster Ausläufer dieser Philosophie in unserer beschaulichen Region ist der junge Mann, der die o.g. Rede hielt und behauptete, Software sei besser als Menschen. Nun werden Sie diese Aussage vielleicht in einem ganz anderen Licht sehen?

Die Erfüllungsgehilfen solcher Philosophien sind letztlich die Programmierer. Sie setzen das in Bits und Bytes um, was ihnen Projektmanager und Experten vorgeben. Möglicherweise ist es Zeit, im Rahmen eines Informatikstudiums auch sehr viel über Ethik zu sprechen. Es darf nicht einfach immer nur das gemacht werden, was technisch möglich ist. Vielmehr müssen Programmierer darüber nachdenken, was sie der Welt mit ihren Programmen antun. Ich wünsche mir Programmierer mit Verantwortungsgefühl, mit einer eigenen, menschenfreundlichen Vision für die Welt und dem Mut, menschenverachtende Programme zu boykottieren. Wahrscheinlich ist das eher in Deutschland bzw. in Europa möglich, da man im Silicon Valley sehr naiv agiert. Ray Kurzweil ist der Meinung, dass man einen Machtmissbrauch in seiner schönen neuen Welt durch „Schutzmaßnahmen“ verhindern kann. Und so entwickeln die Google-Programmierer fröhlich weiter. Und sagen: „Software ist besser als Menschen.“

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