Disruption allerorten

Sicherlich empfinden Sie es auch so wie ich: Der Begriff „Disruption“ ist das Buzz-Word der Stunde. Er basiert auf den Forschungsergebnissen von Prof. Clayton M. Christensen aus Harvard, der über die Frage forschte, warum Unternehmen

Klein

Christoph Herr CEO Spotfolio

scheitern. Seine bereits 1997 veröffentlichten Ergebnisse sind alarmierend: Gutes Management ist oft ein Grund für das Scheitern! Gerade weil sich Unternehmen kundenorientiert zeigen, weil sie sehr akribisch Markttrends analysieren und ihre Budgets stringent auf jene Innovationen lenken, die die höchsten Erträge versprechen, verlieren sie ihre führende Position. Wären seine Forschungsergebnisse nicht gespickt mit Belegen und Beispielen, würde man ihn wahrscheinlich für verrückt erklären. Aber Christensen zeigt anhand von 20 disruptiven Technologien, wie diese den Markt veränderten und die etablierten Technologien verdrängten. Disruptive Technologien – meist von Startups entwickelt – finden zunächst nur den Weg in kleine, neu entstehende Märkte – ideal für agile und schnell handelnde Unternehmen mit großen Visionen. Wenn diese dann ihre volle Leistungsfähigkeit entfalten, werden sie zur ernsten Bedrohung für etablierte Unternehmen. Und sie wachsen schnell: Mittlerweile gibt es weltweit rund 170 Startups mit einer Bewertung von einer Milliarde Dollar und mehr, sogenannte „Unicorns“. Daher ist eine der Empfehlungen von Christensen, mit Disruption zurecht zu kommen, junge Unternehmen zu akquirieren. Der Springer-Verlag hat dies bereits sehr frühzeitig getan und erwirtschaftet heute bereits weit über 50% seines Umsatzes mit digitalen Beteiligungen.

Immer mehr Großkonzerne haben begonnen, sich für Unternehmen in der frühen Phase zu interessieren. Ein guter Grund, um als Investor früh in ein Startup einzusteigen, das Anzeichen für eine disruptive Technologie aufweist. Entwickelt sich das Startup entsprechend, könnte man bei Einstieg eines Großen einen Exit vorsehen und eine attraktive Rendite erwirtschaften. Derartige Prozesse sind jedenfalls durchaus zu erwarten, denn rund drei Viertel der CEOs grosser Unternehmen (72%, in Deutschland sogar 95%) stimmen laut einer aktuellen KPMG-Umfrage (unter rund 1.300 Vorstandschefs aus 10 Ländern) der Aussage zu, dass die kommenden drei Jahre für die Zukunft ihres Unternehmens entscheidender sein werden als die letzten 50 Jahre. Neben den USA hat hier auch Deutschland gute Karten: So wies der Gründungsradar des Stifterverbandes 2013 nach, dass es sich bei 9 von 10 Universitäts-Ausgründungen um Marktneuheiten handelte. Sicherlich waren nicht alle disruptiv, aber – wollen wir wetten – ein künftiger Unicorn war sicher dabei!

Dieser Text erschien als Leitartikel in der Zeitschrift „Öko Invest“ vom 08.08.2016

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