Chancen der deutschen Exitschwäche für Großunternehmen

Deutschland ist als rohstoffarmes Land auf neue, innovative Unternehmensgründungen angewiesen, um Wohlstand und Lebensqualität zu sichern und auszubauen. Untersuchungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) belegen denn auch, dass von jungen Hightech-Unternehmen viele volkswirtschaftlich bedeutsame Impulse ausgehen. So sind sie z.B. beschäftigungsstark, innovativ und investitionsfreudig. Sie sorgen in besonderem Maße für Produktinnovationen, denn 16 % der Hightech-Dienstleister und Softwareunternehmen sowie 25 % der jungen Unternehmen der Hightech-Industrie haben in 2012 deutschland- oder weltweite Marktneuheiten eingeführt. Das ist zwei- bis dreimal häufiger als im Gesamtschnitt (8 %).

Hightech-Unternehmen wachsen wesentlich schneller als der Durchschnitt, und es entstehen im Vergleich gegenüber anderen Unternehmen mehr Arbeitsplätze – und zwar in Wachstumsfeldern. Das ZEW hat herausgefunden, dass die im Jahr 2012 gegründeten Unternehmen der Hightech-Industrie zum Start 3,3 vollzeitäquivalente Beschäftigte hatten, deutlich mehr als der Durchschnitt der jungen Unternehmen mit 2,5. Und eine Studie der Kauffman Foundation hat ergeben, dass nahezu alle neuen Arbeitsplätze in den USA zwischen 2000 und 2010 von schnell wachsenden Tech-Startups geschaffen wurden.

Allerdings gibt es einen Wettbewerb der Volkswirtschaften um die besten Ideen, Technologien und Geschäftsmodelle. Regionen und Staaten konkurrieren gegeneinander, um Unternehmen für sich zu gewinnen und eine nachhaltige Gründungskultur zu entwickeln. Und das aus gutem Grund: Facebook, Google, Skype und Whatsapp sind nur einige Beispiel von Unternehmen, die in weniger als 10 Jahren von einer Idee zu einem Unternehmen gereift sind, die heute mit mehreren Milliarden US-Dollar bewertet werden. Ein Gründungs-Ökosystem zu entwickeln gilt heute denn auch als entscheidender Wettbewerbsvorteil, und manche Regionen haben das bereits erkannt und umgesetzt. So zählen Orte, die noch vor fünf oder zehn Jahren in diesem Kontext kaum oder gar nicht bekannt waren, heute zu den führenden Hot Spots, wie am Beispiel von Tel Aviv oder Helsinki zu sehen.

Teil eines Ökosystems für eine florierende Gründerlandschaft ist z.B. eine führende Wissenschaftscommunity. In diesem Zusammenhang mag es interessant und bedeutsam sein, dass die Zahl der von noch lebenden MIT-Absolventen gegründeten und noch existierenden Unternehmen bei ca. 25.800 liegt. Diese Unternehmen beschäftigen 3,3 Mio. Menschen und erzielen weltweit einen jährlichen Umsatz von 2 Billionen US-Dollar, was dem elftgrößten Wirtschaftssystem der Welt entspricht.

Es steckt also ein überragendes Potenzial in jungen Hightech-Unternehmen, aber noch gibt es in Deutschland Hürden entlang des Prozesses von der Idee zum Highflyer. Dazu muß man ein wenig verstehen, wie diese Form der Innovationsfinanzierung funktioniert:

Junge und innovative Hightech-Unternehmen werden üblicherweise mit Venture-Capital finanziert. Das ist quasi das Schmiermittel, um aus Ideen wachsende und tragfähige Unternehmen zu machen. Verbunden mit Venture-Capital ist immer auch ein Finanzierungshorizont von 5 bis 7 Jahren. Typische Venture-Capital-Fonds haben eine Laufzeit von 10, maximal 12 Jahren. In den ersten Jahren wird Fundraising betrieben, dann schließt sich die Investitionsphase an. Nach einer Haltephase von einigen Jahren ist der dann folgende Exit, also die Veräußerung des Investments, von ganz entscheidender Bedeutung für den Fondserfolg. In Deutschland herrscht als Exit-Variante der Trade-Sale, d.h. der Verkauf an einen strategischen Käufer, vor. Derartige Käufer sind große Mittelständler und Konzerne, die Unternehmen ganz oder teilweise erwerben, um den eigenen Wertschöpfungsprozess zu unterfüttern, oder um neue Geschäftsfelder aufzubauen. Auch Fälle, in denen man Wettbewerber zu eigenen Geschäftsfeldern aufbaut, gibt es, wie am Beispiel des Springer Verlages zu sehen.

In Deutschland existieren zwischen 5000 und 6000 Venture-Capital-finanzierte Unternehmen. In 2014 wurden aber nur 94 Unternehmen verkauft, und 13 gingen an die Börse (die Hälfte davon im Ausland). D.h. die Regale der Venture-Capital-Fonds sind prall gefüllt mit handverlesenen Hightech-Unternehmen, die potenziell zum Verkauf anstehen. Sie entdeckt man z.B. auf Plattformen wie spotfolio.com. Die Industrie findet übrigens zunehmend Gefallen an der Zusammenarbeit mit (deutschen!) Startups, wie eine aktuelle Recherche von Spotfolio zeigt.

Die Exitschwäche der Venture-Capital-Branche ist auf diese Weise gleichzeitig eine große Chance für die deutsche Industrie. Venture-Capital-Fonds selektieren sehr genau, in welche Startups sie investieren. Die Ablehnungsquote liegt bei über 95%. D.h. Technologie, Team und Markt müssen stimmen und schnelles Wachstum sowie hohe Gewinne erkennen lassen. Nicht alle Geschäftsmodelle funktionieren auf Anhieb, aber es lohnt sich für jeden Kaufinteressierten, die Landschaft regelmäßig zu screenen und den Weg möglicher Kaufkandidaten mit Monitoring-Funktionen wie z.B. denen von spotfolio.com zu beobachten.

Im Silicon Valley ist übrigens der typische Exit der Verkauf – an Google….

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