Exits im deutschen Hightech-Sektor 2014

CB Insights hat im vergangenen Jahr in den USA 16.650 Finanzierungsrunden und 8.658 Exits (Börsengänge oder Unternehmensverkäufe) notiert. In diesen Exits sind 2.886 Technologieunternehmen enthalten, die sich auf 2.807 Unternehmensverkäufe und 79 Börsengänge aufteilen – ein Anstieg von 58% gegenüber dem Vorjahr. Die rasante Entwicklung in den USA zeigt sich auch in einer Analyse von Mattermark, die Series B-Investments graphisch darstellt, wobei einige  Technologiefelder ausgenommen wurden. Gegenüber den letzten drei Jahren ist der Anstieg in 2014 deutlich zu erkennen (s. Graphik).

Wie stellt sich das Jahr aus deutscher Sicht dar?

Spotfolio.com hat die Exits (ohne Börsengänge) von deutschen, meist Venture-Capital-finanzierten Hightech-Unternehmen in 2014 analysiert und einige interessante Entwicklungen entdeckt. Hier die Ergebnisse:

Den rund 400 Investments in Hightech-Unternehmen stehen 94 Exits gegenüber. Es handelt sich in fast allen Fällen um Unternehmensverkäufe, bis auf zwei Buy-backs, zwei Merger und ein Management-buy-out.

Die Dominanz von Berlin als Startup-Standort Nr. 1 setzt sich auch bei den Exits fort. Von den 94 Exits betreffen 34 Unternehmen mit Standort Berlin (36%). München (17%) und Hamburg (12,7%) folgen auf den Plätzen zwei und drei. In anderen deutschen Städten ist keine sonstige Häufung erkennbar, allenfalls ist Stuttgart mit drei Exits noch zu erwähnen (3,1%).

Interessant auch die Gründungszeitpunkte: nur 7 Unternehmen wurden vor dem Jahr 2000 gegründet, alle anderen sind 14 Jahre oder jünger. Sechs der Unternehmen wurden erst im Jahr 2013  gegründet. Auffällig ist, dass zwischen 2000 und 2005 nur 0 (2004) bis maximal 3 (2002) dieser Unternehmen gegründet wurden, während ab 2006 die Zahlen zwischen 6 (2007, 2008, 2009, 2013) und 10 (2009) liegen. Eine Ausnahme bildet das Jahr 2010 mit nur 4 Gründungszeitpunkten.

Bei den Branchen liegen die Themen IT/eCommerce, Medien/Werbung/Marketing und Spiele auf den ersten drei Plätzen. Logistik, Life Science und Telekommunikation folgen dahinter. Alle anderen Branchen tauchen nur ein- oder zweimal auf.

Auf Seiten der Käufer liegen mit der Ströer-Gruppe und Bastei Lübbe Unternehmen aus der Werbebranche bzw. dem Verlagsgeschäft vorn. Beide Kölner Unternehmen kauften je dreimal zu, und zwar aus den drei o.g. führenden Branchen.

Weit über 60% der Käufer kamen aus Deutschland, knapp 19% aus den USA. Danach spielen noch UK, die Niederlande sowie Frankreich eine Rolle, auf alle anderen Länder fällt jeweils nur eine einzige Transaktion.

Nur in 21 Fällen wurde die Transaktionssumme genannt oder geschätzt. Die Summe dieser Transaktionen beläuft sich auf 2,6 Milliarden Euro, der Mittelwert pro Transaktion liegt bei 127 Mio. Euro. Die höchste Summe wurde für Teamviewer gezahlt (1,1 Mrd. US-Dollar), die geringste für GIGA aus Berlin. Sieben Transaktionen bewegen sich im dreistelligen, neun im zweistelligen Millionenbereich.

Wie sind die Ergebnisse zu beurteilen?

Von den amerikanischen Zahlen ist Deutschland noch weit entfernt. 2.800 Verkäufe von Technologieunternehmen in den USA gegenüber 100 in Deutschland – das klingt für uns leider nach Kreisklasse. Immerhin gibt es in Deutschland ermutigende Aktivitäten in Wirtschaft und Politik, die uns hoffentlich in den nächsten Jahren den Aufstieg in höhere Klassen ermöglichen werden.

Dennoch: rund 100 Exits gegenüber 400 Investments scheint uns ein gutes Verhältnis zu sein. Venture-Capital-Fonds gehen in der Regel davon aus, dass nur 2 bis 3 von 10 Investments einen attraktiven Return bringen. Wie weit das im Einzelfall auch wirtschaftlich gelungen ist, wird ggf. Thema einer späteren Analyse sein. Spannend ist auf jeden Fall zu sehen, dass für junge deutsche Hightech-Unternehmen, die z.T. erst fünf Jahre alt sind, mehrere hundert Millionen Dollar gezahlt wurden. Weiterhin erscheint es bemerkenswert, dass es keinen Ausverkauf ins Ausland gibt (zumindest nicht bei den Exits – anders sieht es möglicherweise bei den Wachstumsfinanzierungen aus), sondern dass die meisten Käufer aus Deutschland kommen. Selbst das andernorts so häufig als Käufer in Erscheinung tretende China spielt bei den Exits von deutschen Hightech-Unternehmen (noch) keine Rolle.

Die drei größten deutschen Städte liegen auch bei den Exits vorn, wobei Berlin erneut dominiert. Der wirtschaftlich attraktivste Verkauf wurde aber in Göppingen unter Dach und Fach gebracht. Es lohnt sich also für Käufer, weiterhin auch außerhalb der Metropolen die Augen offen zu halten.

Der Käuferwettbewerb bei den Themen IT/eCommerce, Medien/Werbung/Marketing und Spiele ist eröffnet. Verlags- und Werbebranche scheinen derzeit am aktivsten zu sein, wenn es um den Kauf von Hightech-Unternehmen geht. Spotfolio.com weist in seiner Hightech-Plattform 198 Unternehmehen aus dem Bereich eCommerce, 159 Unternehmen aus dem Bereich Medien/Werbung/Marketing, und 246 Unternehmen aus dem Bereich Spiele aus. Zu jedem Einzelunternehmen liegt ein umfangreiches Dossier mit Informationen über die wirtschaftliche Situation, Assets, Management, aktuelle Entwicklungen und vieles mehr vor. Mehr auf www. spotfolio.com.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s