Innovationsfinanzierung in Deutschlang – mittlerweile nahezu unmöglich

Venture-Capital dient der Finanzierung junger Technologieunternehmen in der Seed- und Start-up-Phase. Mit Venture Capital (VC) finanzierte junge, technologieorientierte Unternehmen sind produktiver, wachsen stärker, investieren mehr und sind innovativer als solche, an denen keine VC-Geber beteiligt sind. Dies ist ein Ergebnis des VICO-Projekts, welches die Zentralstelle für europäische Wirtschaftsforschung ZEW mit zahlreichen internationalen Partnern im Auftrag der Europäischen Union durchgeführt hat.

Innovative und technologieorientierte GrProzess Forschungstransfer über Köpfeündungen sind in der Regel sehr viel komplexer und kapitalintensiver als „normale“ Gründungen und gehen mit besonders hohen Markt-, Management- und technischen Risiken einher. Gelingt es aber, Hightech-Gründungen entlang des oben abgebildeten Wertschöpfungsprozesses zu tragfähigen Unternehmen zu entwickeln, führt dies zu besonders positiven volkswirtschaftlichen Effekten – wie beschrieben.

Der Schmierstoff für diesen Prozess ist Venture Capital – und da sieht es in Deutschland nicht besonders gut aus:

Im letzten Jahr wurden über 42.000 Anfragen von kapitalsuchenden Unternehmen an die Beteiligungsunternehmen in Deutschland gerichtet – finanziert wurden nur rund 3% (übrigens 29% weniger als im Vorjahr). Das liegt nicht einfach nur daran, dass die anderen Gründundungsideen schlecht waren – sondern, dass die Beteiligungsunternehmen selbst 44% weniger Kapital von Investoren einwerben konnten als ein Jahr zuvor. Und nicht nur das: laut Branchenverband BVK (Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften) verabschieden sich seit 2010 jährlich im Saldo zwischen 5 und 16 Beteiligungsgesellschaften aus dem Markt und stellen ihre Aktivitäten ein. Mit anderen Worten wird es in Deutschland immer unmöglicher, ein innovatives Technologieunternehmen in den frühen Phasen mit Venture Capital zu finanzieren.

Dafür freuen sich ausländische Fonds über die nahezu wettbewerbsfreie Zone in Deutschland. Mehr als die Hälfte der Investitionen in 2013 kamen von ausländischen Beteiligungsgesellschaften, die mit einem lokalen Büro in Deutschland aktiv sind. Weitere 18% wurden durch Beteiligungsgesellschaften aus dem Ausland investiert. Es steht zu vermuten, dass dies ein beginnender Trend ist. Zwar gibt es ca. 178 Beteiligungsgesellschaften in Deutschland, aber nur ein Teil von ihnen investiert in die für Venture Capital relevanten Phasen Seed, Start up, Later Stage-Venture Capital. 77% des Beteiligungskapitals wurde 2013 nämlich in Buy-outs investiert, der Anteil an Venture Capital lag nur bei knapp 20%. Auf die Zahl der Fonds übertragen läge die Zahl der Venture-Capital-investierenden Fonds dann bei ca. 35, mit abnehmender Tendenz.

Der Bundesverband Deutscher Startups hat in diesen Tagen eine Umfrage unter 900 Startup-Gründern durchgeführt und die Ergebnisse veröffentlicht. Insgesamt benötigen diese 900 Gründer in den nächsten 12 Monaten mindestens 650 Mio. Euro an Wachstumskapital – angesichts der o.g. Zahlen und Fakten ein Ding der Unmöglichkeit. Sie konkurrieren mit über 42.000 anderen….

Der Rat an alle Hightech-Gründer kann heute eigentlich nur lauten:

  • Das eigene Geschäftskonzept von Anfang an international aufbauen (in Bezug auf Sprache, Markt- und Wettbewerbsanalyse, Team-Background, ….)
  • Direkt bei ausländischen Fonds vorstellig werden
  • Große Tickets einwerben
  • Kurz- bis mittelfristig den Umzug an einen internationalen Hot-spot einplanen

Das ist übrigens auch im Sinne der deutschen Beteiligungsfonds (bis auf Punkt 2 natürlich) – denn ihnen ist klar, dass sie die späteren großen Wachstumsrunden nur mit ausländischer Hilfe werden stemmen können.

Aber: kann sich eine Volkswirtschaft das eigentlich leisten? Auf diese Weise gehen die oben beschriebenen positiven volkswirtschaftlichen Effekte für Deutschland doch völlig verloren. Offenbar hat die Politik aber nichts dagegen, denn wie sonst soll man den folgenden Auszug aus einem Artikel vom 06.09.2014 der Süddeutschen Zeitung interpretieren:

„Deutschland, einst tatsächlich eines der modernsten und findigsten Länder der Welt, lässt sich schon seit Jahren als überalterter und saturierter, ja querulatorischer Hort der Fortschrittsfeindlichkeit und Zukunftsverweigerung beschreiben. Dieses Land als Innovationsweltmeister zu annoncieren, dazu gehört jener Mut, der dem Wahnsinn gleicht und der an der Spree in masterplanverliebten Ministerien gedeiht. Mit den Fakten hat das nichts zu tun.

Der Global Innovation Index untersucht Jahr für Jahr anhand von 84 Kriterien die Rahmenbedingungen und die effektiv erzielten Innovationsleistungen unterschiedlicher Länder. Das Ergebnis für 2014: Deutschland liegt weit hinter der Schweiz (Platz 1) und auch hinter Ländern wie Großbritannien, Schweden, Niederlande, Dänemark oder Irland auf Platz 13. Also in der Nähe des bekannten Hightech-Hotspots Neuseeland. Noch im Jahr 2009 belegte Deutschland den zweiten Platz. Es rutscht ab, verliert den Anschluss. Das gilt auch für das Ranking im World Competitiveness Report, den das Weltwirtschaftsforum diese Woche veröffentlicht hat. Hier, wo die Wettbewerbsfähigkeit von 144 Nationen gemessen wird, belegt Deutschland in der besonders wirkmächtigen Disziplin, in der es um die Dynamik von Firmengründungen geht, einen sensationellen 106. Platz.“  LINK

Begrüßenswert ist da die „Allianz für Venture Capital„, die sich Mitte des Jahres der Öffentlichkeit präsentiert hat. Man kann den Initiatoren nicht genug Erfolg wünschen, geht es hier doch um nicht weniger als um den Wohlstand künftiger Generationen. Heute leben wir von der Lebensleistung aus der Gründerwelle von vor über 100 Jahren, deren Protagonisten Miele, Bosch, Siemens, Daimler usw. hießen. Wir brauchen erneut findige Köpfe, die in unserem Land Startups aufbauen und international wettbewerbsfähig machen. Nur so werden wir unseren Wohlstand an unsere Kinder weitergeben können.

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