Wie finanziert man heute Unternehmen?

Am 18.11.13 fand im „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen im Rahmen einer Veranstaltung des F.A.Z.-Instituts eine Podiumsdiskussion statt, die ich moderieren durfte.  Experten aus den Bereichen Bürgschaftsbank, Beteiligungskapital und Rechtsberatung sowie eine erfolgreiche Unternehmerin waren geladen. Dazu ein Publikum aus mehrheitlich Unternehmern der Frühphase. Die aktuelle Situation war schnell umrissen:

  • Banken: Laut dem aktuellen KfW-Mittelstandspanel verliefen noch nie so viele Kreditverhandlungen erfolgreich wie jetzt – dass eine Bank einen Firmenkunden ablehnt, kommt laut Pressebericht nur noch selten vor. Das gelte selbst für Firmen mit weniger als 5 Mitarbeitern, die sonst von den Banken eher stiefmütterlich behandelt werden.
  • Crowdfunding: Bis zum 3. Quartal 2013 konnten Startups rund 13 Mio. Euro auf den Crowdfunding-Plattformen in Deutschland einsammeln. Der Betrag verteilt sich auf 97 Finanzierungsrunden von 88 Startups. Marktführer sind Seedmatch, Companisto und Wonderpots. Weitere kleinere Plattformen etablieren sich, allerdings gibt es auch noch viele, die noch keinen kontinuierlichen Dealflow etablieren konnten.
  • Venture-Capital: Mitte des Jahres wies die Statistik des VC-Branchenverbands aus, dass das ohnehin schon niedrige Investitionsniveau 2012 um rund ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, obwohl das Potenzial und die Bewertungen von Deals unverändert positiv sind. Eine Vielzahl von Anlegern scheint sich lieber direkt an Hightech-Start-ups zu beteiligen, statt in klassische Venture-Fonds zu investieren. Nach wie vor kommt auch den öffentlichen Investoren besondere Bedeutung zu: so stellten 2012 allein der High-Tech Gründerfonds (HTGF) und die KfW knapp 32% aller Anschlussfinanzierungen im Seed- und Start-up-Bereich dar. Ergänzt um die Mittel diverser länderspezifischer Förderprogramme dürfte der Anteil der direkten und indirekten öffentlichen Unterstützungen in der deutschen Technologiefinanzierung über 50% liegen.
  • Investitionszuschuss Wagniskapital: Der private Investor (Business Angel) erhält 20 Prozent des Kaufpreises für den Anteilserwerb über einen Zuschuss zurückerstattet. Der Investor muss dem Unternehmen mindestens 10.000 Euro investieren und die Beteiligung mindestens drei Jahre halten.
  • Wiederbelebung des Neuen Marktes: Philipp Rösler wollte vor der Wahl den Neuen Markt wiederbeleben. Dies sorgte für viel Aufsehen, aber auch für manches Kopfschütteln. Die Frage, wie der aktuelle Exitstau in der Beteiligungsbranche aufgelöst werden soll, bleibt bestehen.

Die nachfolgende Diskussionrunde zeigte nicht unbedingt, dass eine Bankenfinanzierung leicht und schnell zu erhalten ist. Die Erfahrungen schienen eher anders gelagert. Aber auch aus den anderen Finanzierungsformen erwuchs kein klarer Favorit. Es wurde stattdessen deutlich, dass technologieorientierte Gründer langsam verzweifeln, weil sie kein Venture-Capital erhalten. Nach wie vor scheint dies für derartige Gründungen der Königsweg zu sein. In Deutschland ist allerdings verhältnismäßig wenig Venture Capital verfügbar, zudem besteht, wie oben erwähnt, ein Exitstau. Das Fundraising aktueller und neuer Fonds verläuft schleppend, eine schnelle Verbesserung in Bezug auf mehr Venture Capital ist also nicht zu erwarten. Aus der Expertenrunde wurde der Rat laut, man solle angesichts der Lage in Deutschland Venture Capital im Ausland (Frankreich, England) akquirieren.

Steht Deutschland am Ende seiner Venture-Capital-Ära? Eines scheint sicher: wenn der Exitstau nicht aufgelöst wird, nähert man sich diesem Szenario mehr und mehr an. Dann werden Gründer Kapital aus dem Ausland einsammeln – und deren Technologie gerät in die Händer  ausländischer Investoren und Fonds.

Der einzige Ansatz, eine solche Entwicklung zu bremsen und zu verhindern scheint derzeit „Spotfolio“ zu sein, eine Matchingplattform, die innovative Technologieunternehmen und technologieaffine Großunternehmen zusammenbringt, ihnen die Möglichkeit eines bilateralen Business bietet und am Ende einen durchdachten Prozess für einen Trade Sale anbietet.

2 Antworten zu “Wie finanziert man heute Unternehmen?

  1. Pingback: Wie finanziert man heute Unternehmen? | Bright Look Ahead·

  2. Guter Artikel, den würde ich gerne auf meinem Blog re-posten und v.a. auch mal in einschlägigen Gründerforen bekannt machen. Herzlichen Dank!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s